ZUR GESCHICHTE DES FÖRDERVEREINS
EVANGELISCHE TAGUNGS- UND FREIZEITHÄUSER e.V.
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1. Vorgeschichte
1.1 Kirchenprovinz Sachsen: Es bildete sich in 70ger Jahres ein Arbeitskreis für die Leiter/Innen der Rüstzeitheime / Heimleiterkonferenz. Träger des Arbeitskreises war das damalige Landesjugendpfarramt der KPS in Magdeburg. Einberufer: Referent Peter Grundmann, später Geschäftsführer Bernd Randel.

1.2 Bund Evangelischer Kirchen in der DDR – Kommission Kirchliche Jugendarbeit (KKJ). Die Arbeitsgruppe Finanzen der KKJ hatte eine Konferenz der Heimleiter/Innen von Bibelrüstzeitheimen eingesetzt. Anlass dafür war zunächst der sog. Lange-Erlass des Ministeriums für Volksbildung der DDR, der den Kirchen (ab 1972) vorzuschreiben meinte, dass Rüstzeiten nur noch 7 Tage dauern dürften. Dem widersprachen die Kirchen. Es kam zur Androhung von Ordnungsstrafen bei Nichteinhaltung der Anordnung. Die Kirchen sahen darin einen Eingriff in die internen Angelegenheiten der Religionsausübung und regelten diese Angelegenheit wie bisher unabhängig von staatlichen Eingriffsversuchen. Es kam zu Ordnungsstrafverfahren. Das Sekretariat des Bundes ersetzte die gezahlten Ordnungs-strafgebühren. Zur Stärkung der Mitarbeiter/Innen in den Häusern wurde ins Sekretariat des Bundes in Ost-Berlin eingeladen zu einem Erfahrungsaustausch. Bei dieser Zusammenkunft wurde der Wunsch zu regelmäßigen Treffen geäußert. Die Leiter/Innen der Häuser wünschten einen regelmäßigen kollegialen Erfahrungsaustausch, Beratung und Fortbildung in fach-spezifischen Angelegenheiten (Bau, Einrichtung, Hygiene, Versicherung etc. betreffend) und geistliche Begleitung (Bibelarbeit) und Informationen zu theologisch-pädagogischen Grundsatzfragen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. – Die erste Tagung fand im Oktober 1973 statt und von da an jedes Jahr in der ersten Novemberwoche. Die Teilnehmenden kamen aus den Landeskirchen des Bundes der Evgl. Kirchen in der DDR, der Landeskirchlichen Gemeinschaft, den Zentralen der Werke der kirchlichen Jugendarbeit und den Evgl. Freikirchen. Teilnehmerzahl: ca. 45 – 50 Personen. Die Akten sind archiviert im Zentralarchiv der EKD, Berlin,

2. Gründung des Fördervereins
2.1 Ausgangspunkt für die Gründung des Vereins ist der Arbeitskreis Rüstzeitheime in der KPS/Magdeburg,, nach dem das Amt für Kinder- und Jugendarbeit nicht mehr bereit war, die Trägerschaft des Arbeitskreises beizubehalten. Ferner erhoffte man sich nach der Wende eine günstigere Ausgangssituation zur Beantragung von Fördermitteln des Landes.

2.2 Satzung
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2.2.1 Man entschied sich bei der Gründungsveranstaltung für die Bezeichnung Förderverein Evangelische Tagungs- und Freizeithäuser. Damit haben nicht nur die kirchlichen, sondern alle evangelischen Häuser Zugang zu einer Mitgliedschaft, auch Häuser der Evgl. Freikirchen.
2.2.2 Der Verein bemüht sich um die Erhaltung eines vielfältigen Angebotes von Tagungs- und Beherbergungsstätten für die Gruppen bezogene Arbeit von christlichen Gemeinden und anderen Trägern sozialer und kultureller Arbeit.
2.2.3 Der Verein bemüht sich darum, dass es weiterhin Häuser mit preisgünstigen Übernachtungsgebühren für sozial schwache Nutzer gibt.
2.2.4 Es besteht laut Satzung die Bereitschaft zur Übernahme von Trägerschaften. Dieses kann natürlich nur geschehen, wenn die dafür nötige Kapitaldeckung vorhanden ist.
2.2.5 Der Verein ist Träger von Fortbildungsangeboten.
2.2.6 Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Öffentlichkeitsarbeit zur Unterstützung der Auslastung der Bettenzahl in den Häusern der Mitglieder.

2.3 Bald nach der Gründung des Vereins entschied man sich zur Übernahme der Fortbildungs-tagung der ehemaligen KKJ, da die Nachfolgeorganisation, die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in der BRD (aej) nicht mehr bereit war, die Verantwortung für diese Tagung zu erhalten. Damit ergab sich für die Arbeit des Vereins eine Schwerpunktverschiebung, jedoch im Rahmen der Satzung.

2.4 Die Mitgliederversammlung entschied sich für ein Logo, das Kugelkreuz im Gehäus’. Dieses Logo ist patenrechtlich geschützt beim Deutschen Patent- und Markenamt München unter der Nummer

089-302 04 796 bis zum 31.7.2012.

2.5 Eintragung im Vereinsregister und Gerichtsstand ist das Amtsgericht Halle/Saale. Im Blick auf eine Mitgliedschaft ist der Verein nicht gebunden an die Grenzen der Kirchenprovinz Sachsen, bzw. des Landes Sachsen-Anhalt.

3. Zur Tätigkeit des Vereins

3.1 Öffentlichkeitsarbeit
3.1.1 Zunächst entstand ein Faltblatt, das über eine angedeutete Landkarte Auskunft gibt zum Standort der Mitgliedshäuser. Zur Zeit arbeiten wir mit der dritten überarbeiteten Auflage bei wechselnder Farbgestaltung des Deckblattes. Eine anfängliche Mitgliedschaft eines Hauses bei Eurokontakt verschaffte dem Verein wichtige Adressen von potentiellen Nutzern der Häuser.
3.1.2 Mit einem Haushaltszuschuss der KPS konnte bisher die finanzielle Grundlage zur Einrichtung einer Homepage geschaffen werden. Wir sind sehr dankbar, dass die Synode der KPS/EKM diesen Zuschuss noch immer bereitstellen kann. Unsere Internetadresse:
www.evangelische-freizeithaeuser.de

3.1.3 Es wurden Bemühungen unternommen im Blick auf eine Mitgliedschaft im Bundesforum Kinder- und Jugendreisen mit dem Ziel einer politischen Vertretung des Vereins auf der Bundesebene. EKD und aej waren jedoch der Meinung, dass der Verein Mitglied werden müsse in der BEJ (Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelischer Jugendferiendienste), damit die evangelische „Fraktion“ im Bundesforum mit einer Stimme reden könne. Hindernis einer Mitgliedschaft in der BEJ war jedoch bisher, dass die Anbieterebene (Häuser) nie satzungmäßig dort im Blick war. So wurde eine Mitgliedschaft durch EKD und aej in der MV des Bundesforums abgelehnt. Eine Mitgliedschaft in der BEJ ist bisher nicht zustande gekommen. Zur Zeit gibt es jedoch Bemühungen zur Gründung einer bundesweiten Arbeitsgemeinschaft christlicher Tagungs- und Jugendfreizeitenhäuser, der der Förderverein mit einem Beschluss seiner MV beitreten kann.
3.1.4 Im RUNDBRIEF des Kinder- und Jugendpfarramt der EKM / KPS-Magdeburg wird die letzte Seite bei vier Ausgaben im Jahr für Informationen des Fördervereins genutzt. Dafür finanziert der Förderverein einmal im Jahr einen Farbdruck in der Rubrik „Arbeits-material“. Die Redaktion des Rundbriefes liegt seit 1999 in der Hand von Gerhard Bemm, der diese Tätigkeit ehrenamtlich in seinem Ruhestand erledigt.

3.2 Fortbildungsangebote
3.2.1 Ein berufsbegleitendes Ausbildungsprogramm zum/zur Heimleiter/In konnte beim Diakonischen Werk der EKD genutzt werden. Vier Heimleiter/Innen haben das Programm durchlaufen. Es ist aus Spargründen leider ersatzlos gestrichen worden. Das Diakonische Werk der EKD hat inzwischen im Rahmen neu entwickelter EU-Normen ein Qualitäts-standardprogramm für die Tagungshäuser angeboten, das leider aus Kostengründen nicht genutzt werden kann.
3.2.2 Für die Häuser der bisherigen KPS wird bisher ein eigenständiges Fortbildungsprogramm durchgeführt. Es handelte sich ursprünglich um eine dreitägige Zusammenkunft mit zwei Übernachtungen an jeweils wechselnden Orten. Seit 2003 wurde reduziert auf zwei Tage mit einer Übernachtung. Im Mittelpunkt stand bisher der kollegiale Erfahrungsaustausch, die Information über Entwicklungen in der KPS und die Beschäftigung mit fach-spezifischen Angelegenheiten der Hausleitung. Folgende Themen wurden bearbeitet:

  • 2002 in Thalwinkel: Interessen und Bedürfnisse von Kinder- und Jugendgruppen in evangelischen Häusern. – Überlegungen zu einer Konzeptionsentwicklung im Rahmen von Bildungsangeboten im Umfeld der Häuser für die Arbeit mit Kinder- und Jugendgruppen. – Klärung von Fragen zum Versicherungsschutz.
  • 2003 in Klein Schwarzlosen/Altmark: Informationen zum Datenschutz – Spiele und Spielgeräte (Spielberatungsstelle Magdeburg) – Das Jahr der Bibel im gesellschaftlichen Kontext.
  • 2004 auf Schloss Mansfeld: Ökumenische Aspekte der EU-Osterweiterung und eine mögliche Bedeutung für die Jugendfreizeithäuser. – Methoden der kollegialen Beratung in Problemsituationen der beruflichen Praxis.
  • 2005 vorgesehen in Niederndodeleben: Ausfall wegen Mangel an Beteiligung.
  • 2006 in Bad Klosterlausnitz: Angesichts des zahlenmäßig hohen Anmeldestandes zu dieser Tagung ist es für den Vorstand die Frage, ob eintägige Studientage angesichts der hohen beruflichen Belastungen der Mitarbeiter/Innen eine sinnvolle Lösung werden könnte. Damit würde aber leider das Gemeinschaftserlebnis und der informelle Erfahrungsaustausch auf der Strecke bleiben. Es besteht Klärungsbedarf.

3.2.3 Fortbildungsarbeit mit bundesweiter Ausschreibung. Es handelt sich um die Fortführung der Arbeit, die vorher in der Trägerschaft der KKJ/BEK und danach der aej stand. Diese Tagung konnte bisher Fördermittel aus dem Bundes-Kinder- und Jugendplan über den Fonds Zentrale Ausbildungsstätten, verankert im Burckhardthaus erfahren. Wir rechnen hier mit den Folgen der Mittelkürzung bei der aej.
3.2.3.1 Zur Konzeption der Tagung gehören:

  • Fachspezifische Informationen und Weiterbildung in unterschiedlichen Bereichen. (Organisation, Führung und Leitung, Beobachtung von Entwicklungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Veränderungen bei haustechnischen, bautechnischen, ernährungswissenschaftlichen und ökologischen Entwicklungen u.a.)
  • Biblisch-theologische Besinnung (Bibelarbeit).
  • Erfahrungsaustausch zur Situation der Tagungs-, Rüstzeit- und Freizeitenhäuser.
  • Informationen zur gesamtkirchlichen Situation.

3.2.3.2 Behandelte Themenbereiche der vergangenen Jahre:

  • 1998, Heinersdorf: „Das Rüstzeitheim als Austragungsort mitgebrachter Konflikte der Gruppen. (Klärungsmechanismen mit Gruppenleiter/Innen)“.
  • 1999, Dahme/Mark: „Das Rüstzeitheim als Ort politischer Bildung“. Erarbeitung der Geschichte und Kultur einer Region: Kloster Zinna (Zisterzienser in der Mark), Jüterbog ( 150 Jahre militärisches Ausbildungs- und Manövergebiet), Schloss Wiepersdorf (Familiensitz von Bettina und Joachim von Armin – Informationen zur 2.Phase der deutschen Romantik), Wünsdorf (Militärisches Steuerungszentrum von drei unter-schiedlichen Systemen – Besuch der Waldstadt und der Bunkeranlagen), Halbe (Kriegsgräber-Gedenkstätte der letzten verheerenden Panzerschlacht am Ende des 2. Weltkrieges – 22.000 gefallene deutsche Soldaten im Alter von 18 – 25 Jahren.), Baruth (Kriegsgräber der gefallenen sowjetischen Soldaten in der Schlacht von Halbe) und zur Erholung: Besuch der Stadt Luckau (Das Verona des Nordens – so Fontane).
  • 2000, Gelnhausen, Burckhardthaus: „Das Rüstzeitheim als Ort ästhetischer Bildung“ (Programmgestaltung durch den zuständigen Referenten).
  • 2001, Brotterode: „.... in der Spannung zwischen...“, Rollen und Rollenerwartungen an Heimleiter/Innen. Begleitung durch den Supervisor Lang, Erfurt.
  • 2002, Güstrow: „Er, Sie, Es (das Haus) – Wer ist mit wem verheiratet“. Bedeutung und Eingrenzung familiärer Beziehungen durch den Dienst des/der Heimleiter/In.
  • 2003, Ebersdorf-Saalburg: „Die Ausgestaltung eines Hauses als Teilbereich der pädagogischen Verantwortung“. Ästhetische Bildung aus der Sicht eines Architekten.“ Und: „Die pädagogische Verantwortung des Heimleiters gegenüber Kinder- und Jugendgruppen als Gäste des Hauses (Fragen zum Berufsbild)“.
  • 2004, Gernrode/Harz: „Tischlein deck dich und/oder Knüppel aus dem Sack“, Ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse und ihre Umsetzungsmöglichkeiten in den Tagungs-, Rüstzeit- und Freizeitenhäusern. (Verbunden mit einer Einladung und einer Arbeitseinheit in der Paracelsusklinik in Bad Suderode.) - Zweites Schwerpunktthema: Methoden der kollegialen Beratung in Problemsituationen der beruflichen Praxis.
  • 2005, Dresden: „ Körpergerechtes Arbeiten – Bewusstes Bewegen“ (Frau Prof. Huth, Uni-Hamburg). Zweiter Schwerpunkt: Methoden der kollegialen Beratung in Problemsituationen der beruflichen Praxis.
  • 2006, Eisenach: „Ausbildung zum Ersthelfer“ und „Umgang mit Drogen gefährdeten Jugendlichen als Teilnehmer einer Tagung, Rüstzeit oder Freizeit“.

4. Konzeptionsentwicklung
4.1 Beteiligung an Beratungen bei einzelnen Häusern durch den Geschäftsführer.

4.2 Arbeiten an einer Gesamtkonzeption incl. Bildungsangeboten im Umfeld der Mitgliedshäuser. Es liegen erste Arbeitsergebnisse vor. Es geht besonders um die Bedeutung der Verbindung von Verkündigungsarbeit, christlicher Lebensgemeinschaft und kirchlicher Bildungsarbeit, die nur bei der Durchführung von Rüstzeiten und Freizeiten in geschlossener Konzeption möglich ist. Dieses gilt es unbedingt zu erhalten. Ebenso wird die Wichtigkeit der christlichen Gastgeberschaft und damit der gesamtkirchlichen und ökumenischen Beziehungspflege durch die Existenz der Häuser betont. Die Bildungsangebote sind geeignete Hinweise auf Programmgestaltungen für potentielle Nutzer der Häuser.

5. Finanzen des Vereins
5.1 Mitgliedsbeiträge werden für juristische Personen zur Zeit in Höhe von 65,00 EUR erhoben; für natürliche Personen: 35,00 EUR
5.2 Haushaltszuschuss der KPS: 4.000,00 EUR p.a.
5.3 Fördermittel für Fortbildungstagungen über das Evgl. Burckhardthaus.
5.4 Der Wirtschaftsplan umfasst pro Jahr etwa 12.000,00 EUR

6. Personalia
6.1 Der Verein wird geleitet vom Vorstand (Vorsitzender, Stellvertreter, Kassenwart). Der Vorstand tagt 2-mal im Jahr in Halle (Jugendwerkstatt Bauhof, Frankchesche Stiftungen) und es findet satzungsgemäß eine Mitgliederversammlung pro Jahr, aus geographischen Gründen ebenfalls in Halle statt.

6.2
Der Geschäftsführer bearbeitet die Beschlüsse des Vorstands und der MV, bereitet die Tagungen und Sitzungen vor, führt die Korrespondenzen und nimmt im wesentlichen die Außenkontakte wahr. Er ist dabei jährlich mit ca. 540 Stunden tätig.


Gerhard Bemm
Stand 21.3.2006